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Frühe Tasteninstrumente

Das Angebot an der Kreismusikschule Straubing-Bogen ist seit kurzem um ein weiteres Fach erweitert worden. Die historischen Tasteninstrumente kommen jetzt endlich (?) auch zu ihrem Recht. Sowohl Cembalo/Spinett als auch Hammerflügel, Tafelklavier oder Clavichord können nun hier erlernt werden. Ansprechpartner hierfür ist Stefan Seyfried, der bei Interesse gerne weitere Auskunft erteilt.  Gerade für Klavierlernende ist es sehr interessant, sich auch einmal mit den Vorgängern des modernen Klaviers zu befassen. Dabei muss man nicht unbedingt einen Kurs für ein ganzes Jahr buchen, auch die Kombination Klavier/Clavichord/Fortepiano oder Orgel/Cembalo ist durchaus zu empfehlen.

Clavichord (Kopie nach Johann Heinrich Silbermann 1775)

gebundenes Clavichord nach einem anonymen Vorbild (um 1700)

Wird beim modernen Klavier schon im Vorhinein festgelegt, wie ein Ton erklingen soll, so kann man beispielsweise beim Clavichord durchaus während des Tones noch Veränderungen an demselben vornehmen. Bedingt durch die spezielle Mechanik, (eine Tangente teilt die Saite und lässt so den Ton erklingen), ist es sogar möglich nach der Initialisierung des Tones denselben noch zu verändern. Man spricht hier von der sogenannten Bebung, vergleichbar mit dem Vibrato z.B. auf der Viola. Der Klang des Clavichords (oder auch Klavichords) ist sehr fein, sehr nuancenreich und subtil und nicht geeignet große Konzertsäle zu füllen.  Die Intimität des Klanges, der vom zartesten pianissimo bis zum gepflegten mezzoforte reichen kann, schlug auch berühmte Musiker in ihren Bann. Johann Sebastian Bach beispielsweise erklärte das Clavichord zu seinem Lieblingsinstrument (nachzulesen bei Forkel) und in der darauffolgenden Epoche wurde durch den empfindsamen Stil das Clavichord sogar zum Modeinstrument. In der Klassik wurde sowohl für das Clavichord als auch für das Cembalo und das Klavier komponiert und selbst die Romantiker hatten oft noch ein solches Instrument zu Hause stehen.

 

Noch etwas zum Terminus:

  • Wenn im 18. Jahrhundert vom Clavier die Rede war, meinte man das Clavichord.
  • Das Cembalo wurde als (Kiel-)Flügel bezeichnet, das Spinett auch als Querflügel
  • Instrumente mit Hammermechanik nannte man Fortepiano, später auch Tafelklavier (Square Piano, Piano Carré) oder Pantal(e)on
  • Die Manuale der Orgel heißen auch Claviere ( wenn J.S. Bach beispielsweise 2 Claviere und Pedal vorschreibt braucht man eine Orgel mit zwei Manualen und Pedal)

Cembalo (Kopie nach Ruckers ca. 1620)

Spinett (Kopie nach Thomas Hitchcock 1729)

Beim Cembalo werden die Saiten mittels eines Kiels angerissen (man spricht auch vom Kielflügel). Durch diese Arte der Tonerzeugung ist es nicht möglich ein allmähliches lauter oder leiser werden des Klanges darzustellen. Doch haben viele Cembali  mehrere Register z.B. 8´und 4´ (bei 8´erklingt jeweilige Ton in der Originallage, bei 4´eine Oktave höher) und oft auch zwei Manuale (Claviaturen). Auch gibt den sogenannten Lautenzug, hier werden die Saiten mittels eines Filzes abgedämpft, was dem Klang einen lautenähnlichen Charakter gibt.

Hammerflügel (Kopie nach Könnicke um 1800)

Pantaleon letztes drittel 18. Jahrhundert

Tafelklavier von Erard Freres 1807

Beim Hammerflügel oder Fortepiano, genauso wie beim Tafelklavier oder Pantalon, werden die Saiten mittels eines Hämmerchens angeschlagen. Hierdurch ist es möglich ein stufenloses lauter- oder leiser werden zu verwirklichen. Sind die Hämmer beim modernen Flügel mit Filz belegt, so experimentierte man früher mit verschiedenen Materialien. Holz, Leder, ja sogar Kork oder Metall. Dies alles war im 18. Jahrhundert bis ins frühe 19. Jahrhundert präsent. Auch hatten die Hämmerchen eine erheblich geringere Masse als die der heutigen Klaviere und die Größe der Tasten variierte oft erheblich von Instrument zu Instrument. So ab ca. 1860 hatte sich die heutige Form herauskristallisiert und es wurden bis heute keine wesentlichen Änderungen mehr vorgenommen.

Modernes Klavier

Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass die Beschäftigung mit den alten Tasteninstrumenten fesselt und dadurch das persönliche Klavierspiel auf den modernen Instrumenten in jeglicher Form bereichert wird. Man achtet mehr auf die Nuancen, kann die Werke authentischer interpretieren und findet einen direkteren „Draht“ zu den Komponisten. Nicht zuletzt bereichert die Beschäftigung mit der Geschichte auch das eigene Unterrichten und man sieht manche technischen Herausforderungen aus einem anderen Blickwinkel.

 

Stefan Seyfried